Thema der Woche: Asmita - das feine Netz zwischen Ich und Identität
- claudia9641

- 2. März
- 2 Min. Lesezeit

In einer Welt, die uns ständig fragt "Wer bist du? - beruflich, sozial, digital - wird Identität schnell zu einer Marke. Doch im Yoga gibt es einen Begriff, der dieses "Ich" viel subtiler betrachtet: ASMITA
Was bedeutet Asmita?
Der Begriff Asmita stammt aus dem Sanskrit und bedeutet wörtlich "Ich-Heit" oder "Ich-bin-heit". In den klassischen Yogaschriften insbesondere in den Yoga Sutras von Patanjali, wird Asmita als eine Form der Identifikaiton beschrieben - das Verschmelzen des wahren Selbst mit dem Ego oder dem Verstand - und zählt du zu den fünf Kleshas (Leid verursachende Kraft).
Es beschreibt dabei die Verwechslung von Beobachter und Beobachtetem - also wenn wir denken: Ich bin meine Gedanken. Ich bin meine Rolle. Ich bin mein Erfolg oder Scheitern.
Asmita begegnet uns im modernen Alltag überall:
Ich bin mein Beruf.
Ich bin meine politische Meinung.
Ich bin mein Körper.
Ich bin meine Social-Media-Präsenz.
Diese Identifikation schafft Stabilität - aber auch Enge. Wenn wir uns zu stark mit bestimmten Eigenschaften identifizieren, reagieren wir empfindlich auf Kritik, Veränderungen oder Verlust. Asmita ist nicht per se "schlecht". Ein gesundes Ich-Gefühl ist notwendig, um handlungsfähig zu sein. Problematisch wird es erst, wenn wir vergessen, dass unsere Rolle nur Teile unseres Seins sind - nicht seine Essenz.
Asmita im YOGA
Im Yoga geht es nicht darum, das Ego zu zerstören. Vielmehr geht es darum, es zu durchschauen. Meditation, Achtsamkeit und Selbstreflexion helfen dabe, einen Schritt zurückzutreten und zu erkennen:
Ich habe Gedanken - aber ich bin nicht meine Gedanken alleine.
Ich erlebe Emotionen - aber ich bin nicht meine Emotionen alleine.
In diesem Abstand beginnt Freiheit. Wenn wir Asmita erkennen, entsteht Raum:
Raum zwischen Reiz und Reaktion
Raum zwischen Rolle und Wesen
Raum zwischen dem "Ich" und dem Bewusstsein, das dieses Ich wahrnimmt
Die feine Balance
Interessanterweise ist Asmita auch eine Entwicklungsstufe. Ein stabiles Ich ist Voraussetzung für Selbsttranszendenz: Erst wer ein Ich entwickelt hat, kann es bewusst relativieren. Es geht also nicht darum, das Ich abzulehnen - sondern es als Werkzeug zu verstehen.
Wie eine Name, den wir tragen.
Wie ein Kleidungsstück, das wir anziehen.
Wie eine Rolle in einem Theaterstück.
Doch unter all dem bleibt etwas Unveränderliches - das stille Bewusstsein.
Reflexionsfragen für den Alltag
Mit welchen Rollen identifiziere ich mich besonders stark?
Was passiert in mir, wenn diese Rollen infrage gestellt werden?
Wer bin ich, wenn ich für einen Moment alle Zuschreibungen loslasse?
Wir sind eingeladen, unser "Ich" liebevoll zu hinterfragen.



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